Ratswahl

Die Bildung eines Herrschaftsgremiums, welches die Bürger der vormodernen Städte repräsentieren sollte, stellte für diese eine beständige Herausforderung dar. Diese Herausforderung drückte sich in den vielen Formen der Ratswahl und dessen Einsetzung aus.

Anders als Könige wurden Ratsherren nur für eine begrenzte Amtszeit gewählt. Es ist jedoch zu erwähnen, dass der Rat meist nicht komplett neu gewählt wurde, sondern lediglich kleine Wechsel des Personals stattfanden.

Eine stetig wiederkehrende Wahlsituation erinnerte die nach dem Ideal der Freiheit und Gleichheit verbundenen Bürger daran, dass dieser Rat durch ihre Stimmen entstand und somit die Macht vom Volke erhielt.

Symbolisch wurden die neuen Stadträte durch ein Ritual vorgestellt, in dem man sie aus der Masse der versammelten Bürger heraus hob. Damit wurde ihre Herrschaft legitimiert.

Trotz der Unterschiede im Verfahren in den europäischen Städten lassen sich folgende Gemeinsamkeiten im Ablauf feststellen:

Öffentlich abgehalten wurden das Geläut, der Gang zum Gottesdienst, sowie der Gang zum Wahlort. Geheim allerdings war die Wahl selbst.

Nach dieser Wahl erfolgte der Eid der neuen Ratsherren öffentlich. Durch eine Einbindung von Heiligendarstellungen oder bestimmten Reliquien im Ratseid stellte man die Übernahme des Amtes erneut in einen sakralen Zusammenhang.

Nach dieser Amtsübernahme erfolgte die feierliche Einsetzung, die durch die Einnahme der Ratssitze oder der Sitze in der Kirche dargestellt wurde.

Anschließend hielt man in der Regel ein gemeinsames Mahl oder ein Umtrunk ab.

 

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