Parodie

Mittelalterliche sowie frühneuzeitliche Rituale verliefen nach bestimmten Drehbüchern.

Dieser festgelegte Rahmen und die Abläufe boten den Teilnehmern und den das Ritual durchführenden Personen Halt und Orientierung. Andererseits stellten sie es jedoch auch in Frage:

Dieser Ordnungsgemäße Ablauf konnte misslingen, parodiert oder bewusst gestört werden.
Alle Betrachter waren sich über den Folgenden Ablauf im Klaren und so konnte man das Ritual an einer dafür günstigen Stelle unterbrechen.

Gerade auch die Ritualparodien bedienten sich einer spiegelbildlichen Verdrehung des Inszenierten Inhalts. Die Formen und Funktionen der Teilnehmer wurden verdreht – vom Hohen zum Niedrigen und vom Gut zu Böse.

Durch diese Verfremdung konnten die ursprünglichen Darsteller der Lächerlichkeit preisgegeben und kompromittiert werden.

Diese Übernahme klassischer Gesten und Symbole der Herrschereinsetzung wurden beispielsweise für Spiele zum Dreikönigsfest übernommen, um sie spielerisch in Frage zu stellen.

Bis zur heutigen Zeit haben sich Parodien von Herrschereinsetzungen in den Fastnachtzügen gehalten.

Gerade das bewusste Umkehren und die Parodie verdeutlichen den Anspruch der Rituale auf eine rechtliche, soziale und politische Verbindlichkeit.

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