Küssen

Auch das Küssen in Ritualen symbolisierte die hierarchischen Stellungen der Beteiligten und hatte somit, je nachdem, wie ein Kuss ausgeführt wurde, mehrere Bedeutungen:

Küssten sich beide auf den Mund, drückte dies wechselseitige Gleichheit aus. In dem Moment, in dem der eine den anderen jedoch auf Hand oder sogar Fuß küsste, akzeptierte dieser seine Unterordnung.

Der Kuss war zu diesen Zeiten keinesfalls etwas Privates, sondern er gehörte selbstverständlich zu diesen öffentlichen Zeremonien dazu – er war Teil des Repertoires an rituellen Gesten.

Verdeutlicht wird dies am Gemälde „Der Fußkuss“von Antonio Triva:

Der bayerische Kurfürst Maximilian unternahm eine Pilgerfahrt nach Rom. Als er dem Papst gegenüberstand, küsste er ihm den Fuß. Aufgrund seiner sichtbaren Demut richtet ihn Papst Clemens VIII. auf, was einer Statuserhebung gleich kommt, welche Maximilian aufgrund seiner sichtbaren Demut erfuhr.

Das Gemälde stammt aus der Münchner Residenz und ist Teil eines Zyklus‘, der den bayerischen Kurfürsten huldigt und an seine Pilgerfahrt erinnern soll.

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