Knien

Für das Knien als Akt der rituellen Unterordnung fanden sich im Mittelalter und in der Neuzeit unzählige Beispiele.

Es existierte eine breite Skala von Hierarchiestufen, die die totale Unterwerfung auf der einen Seite und die völlige Gleichrangigkeit auf der anderen Seite darstellte. Diese Skala entsprach einer Skala fein abgestufter Kniegebärden.

Gerade in einer hierarchischen Kultur wurde diesen Nuancen bei allen Beteiligten eine größere Bedeutung beigemessen: Man konnte die symbolische Aussage des Kniens entweder abmildern oder steigern.

Eine Steigerung wäre beispielsweise die Proskynese, bei der man mit beiden Beinen kniete, sich vielleicht sogar mit dem ganzen Oberkörper auf dem Boden ausstreckte. Die abgemilderte Form wäre ein angedeuteter Knicks.

Eine der knapp 400 Illustrationen der Sächsischen Weltchronik zeigt eine derartige Szene:
Kaiser Friedrich Barbarosse fällt vor Herzog Heinrich dem Löwen auf die Knie. Barbarossa solle Herzog Heinrich 1176 um Hilfe bei seinem Italienfeldzug gebeten haben. Heinrich lehnte jedoch ab und weigerte sich, Barbarossa auf zu helfen, was damals eine ungeheure Ehrverletzung darstellte.

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