Der 1. Mai - Symbolik eines Tages

Rituale und Bräuche spielten in der Politik schon immer eine entscheidende Rolle. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche politische Rituale. In der Vergangenheit waren dies meist Krönungen oder Bischofsweihen. Heutzutage müssen Personen in hohen politischen Ämtern wie dem Bundeskanzler oder dem Bundespräsident ein Eid ablegen. Darin wird vor Gott versprochen, zum Wohle des Volkes zu handeln und stets mit Gerechtigkeit zu urteilen.

Nicht selten haben politische Rituale auch einen religiösen Hintergrund. So auch der Maifeiertag, der von Papst Pius XII. zum Gedenktag Josef des Arbeiters erklärt wurde und somit gleichzeitig zu einem katholischen Gedenktag ernannt wurde. Nachdem die nordamerikanische Arbeiterbewegung am 1. Mai 1886 erstmals zum Generalstreik aufruft, kommt es auch in anderen Industrieregionen zu Demonstrationen. In Deutschland wurde erstmals während der Weimarer Nationalversammlung im Jahre 1919 versucht, den 1. Mai zum arbeitsfreien Tag zu bestimmen. Seit 1933 ist der 1. Mai ein Feiertag.

Der Maifeiertag erinnert auch heute noch an die Arbeiterbewegung von 1886. Während er für einige Arbeitnehmer einfach nur ein freier Tag ist, der besonders von den Gewerkschaften geachtet wird, gehen andere auf die Straße und protestieren gegen die Arbeitsbedingungen in Deutschland. Dumpinglöhne, Sozialabbau aber auch der Kampf gegen den Rassismus sind dabei von besonderer Bedeutung. Leider gewinnt der Maifeiertag zunehmend an revolutionären Zügen, da es besonders in Großstädten wie Berlin immer häufiger zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt. Der 1. Mai wird in zahlreichen kleineren Städten und Ortschaften als friedliches Fest gefeiert, in den Großstädten hingegen hat er sich zu einem regelrechten Kampftag entwickelt. Besonders im Kampf um eine multikulturelle Gesellschaft eskalieren die Konflikte zwischen Linken und Rechtsradikalen. Meist hilft nur ein großes Polizeiaufgebot, Schlimmeres zu verhindern. Dennoch kommt es immer wieder zu schweren Verletzungen auf beiden Seiten. Krankenhäuser und Notärzte sind an solchen Tagen besonders lange im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen.

Der 1. Mai wird durch eine rote Mainelke symbolisiert. Während sie im Mittelalter für die Gottesmutter Maria stand, symbolisiert sie im Zusammenhang mit der Arbeiterbewegung einen Nagel. Ein Nagel, der den Maifeiertag immer mehr entzweit und diesen Tag zu einem Fest zwischen Krieg und Frieden werden lässt.