Das Gesundheitssystem ? damals und heute

Schon im Mittelalter war die Gesundheit ein schwieriges Thema. Im Krankheitsfall gab es damals die sogenannten 'weisen' Frauen, aber in den Städten standen auch Ärzte und Bader zur Verfügung. Der Beruf des Arztes oder damals auch 'Medicus' war aufgrund des Medizinstudiums an einer Universität sehr angesehen und hatte daher eine besondere Position in der Stadt. Im Früh- und Hochmittelalter waren dessen Dienste jedoch sehr teuer und deshalb nur für Adlige oder reiche Kaufleute erschwinglich. Für den Rest der Bevölkerung standen nur die Bader in den Badeanstalten der Stadt zur Verfügung.

Im Spätmittelalter wurde das Gesundheitssystem jedoch neu gestaltet. Viele Stadträte stellten nun Ärzte an, welche verpflichtet waren, alle Kranken zu behandeln. In den Medizinalordnungen der Städte wurde verankert, dass die Honorare der Mediziner bescheiden waren und dass er arme Menschen sogar kostenfrei behandeln solle. Die Arzneiherstellung wurde von nun an auf die Apotheker beschränkt, Hausbesuche wurden eingeführt und die Ärzte durften ohne Erlaubnis des Stadtrates nicht auf eine Reise gehen oder die Stadt nachts verlassen. Die Praktiken der Mediziner waren dabei für heutige Verhältnisse sehr ungewöhnlich und unhygienisch. Ein Beispiel sei nur die sogenannte Drecksapotheke. Um so schlimmer etwas roch oder schmeckte, um so besser sollte seine Heilwirkung sein, so die Annahme. So waren zum Beispiel menschliche oder tierische Exkremente, Fledermausblut, Krötenschleim oder Leichenteile und Knochenpulver häufige Bestandteile von Medikamenten. Auch die Eigenharnbehandlung, welche heute sogar teilweise noch benutzt wird, war nicht selten. Medizingeschichte ist an vielen Universitäten in Deutschland ein wissenschaftlich aufbereitetes Thema.

Auch heute gibt es immer wieder Streit um die Gesundheitspolitik des Landes. Im Zuge der Gesundheitsreformen seit den 1970er Jahren war die Gesundheit immer wieder Anlass zum Streit, zuletzt 2010, als es zwischen FDP und CSU-Mitgliedern Auseinandersetzungen gab. Grund war die allgemeine Verteuerung der Krankenversicherung und die Einführung der Zusatzbeiträge, die vielfach als Abkehr vom bisherigen Solidarsystem kritisiert wurden. So bezeichnete ein FDP-Staatssekretär die CSU zum Beispiel als “destruktive Wildsau”. Aber die CSU wusste sich zu wehren und meinte, der FDP “wären die Sicherungen durchgeknallt” und sie “würden sich zu einer gesundheitspolitischen Gurkentruppe entwickeln”, welche sowohl schlecht spiele als auch “rummaule”. Anlass war die Gesundheitsreform 2011. Gesundheitsminister Rösler war für die Einführung einer Kopfpauschale, welche die CSU strikt ablehnte.